Wer über eine Börse in Köln, Paris oder Mailand schlendert, sieht immer dieselben drei Labels: das Rot von PSA, Silber und Gold von Beckett, das Blau von CGC. Drei Firmen dominieren das Card Grading, und wer Pokémon, One Piece, Yu-Gi-Oh! oder Magic sammelt, steht früher oder später vor der Frage: Welche verdient meine Karten?
Eine Universalantwort gibt es nicht. Wohl aber eine richtige Antwort für deine Situation – und die hängt davon ab, was du sammelst, was du mit den Karten vorhast und wie geduldig du bist.
Was Grading eigentlich leistet
Das Prinzip ist einfach. Du schickst eine rohe Karte an eine Grading-Firma, ein Experte prüft sie, vergibt eine Note und versiegelt sie in einem manipulationssicheren Gehäuse – dem Slab – samt Label und einzigartiger Zertifikatsnummer.
Dieser Prozess löst drei Probleme auf einmal. Er authentifiziert die Karte, was mit jedem Jahr wichtiger wird, weil Fälschungen besser werden. Er friert den Zustand ein: kein frischer Kratzer mehr im Ordner oder beim Tausch. Und er macht die Karte vergleichbar: Ein PSA 9 Glurak in Lissabon und ein PSA 9 Glurak in Warschau sind theoretisch dasselbe Produkt. Genau diese Vergleichbarkeit hat aus gegradeten Karten einen Markt mit echter Preisbildung gemacht – die Mechanik dahinter erklären wir in wie die Preise gegradeter Karten entstehen.
PSA: der Marktstandard
Professional Sports Authenticator gradet seit den frühen 1990ern und bewältigt mehr Volumen als jeder andere. Die Skala reicht von 1 bis 10, mit halben Noten dazwischen, und ganz oben steht die PSA 10 – Gem Mint. Eine Zahl auf dem Label, keine Aufschlüsselung.
PSAs eigentlicher Trumpf ist die Liquidität. Weil so viele Sammler standardmäßig zu PSA greifen, lässt sich ein PSA-Slab am leichtesten verkaufen und am leichtesten bepreisen: Vergleichsverkäufe gibt es für fast alles. Gerade bei ikonischen Pokémon-Karten erzielt eine PSA 10 oft einen klaren Aufschlag gegenüber derselben Karte mit der Topnote eines anderen Graders. Der Abstand zwischen einer 9 und einer 10 kann dramatisch ausfallen – so sehr, dass wir ihm einen eigenen Artikel gewidmet haben.
Die Kehrseite der Popularität: PSA verarbeitet enorme Mengen, und die Bearbeitungszeiten der günstigen Servicestufen ziehen sich je nach Phase entsprechend in die Länge.
BGS: Subgrades und das Black Label
Beckett Grading Services geht analytischer vor. Jede Karte erhält vier Subgrades – Zentrierung, Ecken, Kanten, Oberfläche – aus denen die Endnote abgeleitet wird. Auch hier reicht die Skala von 1 bis 10, doch die Spitze funktioniert anders: BGS 9.5 ist Gem Mint, BGS 10 ist Pristine, und darüber thront das berühmte Black Label – eine 10 mit allen vier Subgrades auf 10. Black Labels sind wirklich selten, und bei modernen Karten können sie ein Vielfaches einer gewöhnlichen Topnote erzielen.
Die Subgrades sind der Grund, warum viele Sammler Beckett schätzen. Sie verraten, warum eine Karte ihre Note bekommen hat – beim Kauf Gold wert: Eine 9.5 mit einer 9 in der Zentrierung ist eine andere Karte als eine 9.5 mit einer 9 in der Oberfläche. Der Haken: Eine BGS 9.5 verkauft sich in der Regel unter einer PSA 10, obwohl beide Noten oft als vergleichbar gelten. Beckett belohnt Analyse; der Markt belohnt das rote Label.
CGC: der Herausforderer mit Comic-Wurzeln
Certified Guaranty Company hat sich über Jahrzehnte mit dem Grading von Comics einen Namen gemacht, bevor sie ins Kartengeschäft einstieg. Mitgebracht hat sie zweierlei: den Ruf, streng und konsistent zu benoten, und Preise, die die beiden anderen häufig unterbieten.
Auch CGCs Skala reicht von 1 bis 10, mit Gem Mint 10 an der Spitze und einer Stufe darüber: der Pristine 10, reserviert für Karten, die unter der Lupe praktisch makellos sind. Anfangs wurden CGC-Karten mit deutlichem Abschlag gegenüber PSA-Pendants gehandelt; der Abstand ist geschrumpft, je mehr Vertrauen sich die Firma in der TCG-Welt erarbeitet hat, verschwunden ist er aber nicht. Wer für die eigene Vitrine gradet statt für den Wiederverkauf, findet bei CGC ein Preis-Leistungs-Verhältnis, gegen das sich schwer argumentieren lässt.
Die Skalen im direkten Vergleich
| PSA | BGS | CGC | |
|---|---|---|---|
| Skala | 1–10, halbe Noten | 1–10, halbe Noten | 1–10, halbe Noten |
| Subgrades | Nein | Ja: Zentrierung, Ecken, Kanten, Oberfläche | Auf aktuellen Labels nicht mehr |
| Höchste Standardnote | PSA 10 Gem Mint | BGS 9.5 Gem Mint | CGC 10 Gem Mint |
| Stufe darüber | — | BGS 10 Pristine, dann Black Label (vier Subgrades auf 10) | Pristine 10 |
| Label | Rot | Silber (9.5), Gold (10), Schwarz (Black Label) | Blau |
Die Fallen lauern in den Gleichsetzungen. Eine BGS 9.5 und eine PSA 10 sind beim Verkauf nicht austauschbar, und eine CGC Pristine 10 ist etwas völlig anderes als eine CGC 10. Wer Preise über Grader hinweg vergleicht, sollte immer Gleiches mit Gleichem vergleichen.
Population Reports: die unterschätzte Variable
Alle drei Firmen veröffentlichen Population Reports – öffentliche Datenbanken, die zeigen, wie viele Exemplare jeder Karte sie auf welchem Niveau gegradet haben. Wirf vor jeder Einsendung einen Blick hinein. Eine Karte mit Tausenden existierenden 10ern wird in Topnote nie knapp sein; eine Karte, die notorisch schlecht gradet, macht jede hohe Note umso bedeutsamer.
Auch beim Kauf zählen die Pop Reports. Eine niedrige Population in Topnote erklärt einen Großteil der Aufschläge – und warum sich dieselbe Note auf zwei verschiedenen Karten am Markt völlig unterschiedlich verhalten kann.
Die Wahl treffen: vier praktische Kriterien
- Wiederverkaufswert. Wer gradet, um zu verkaufen, kommt an PSAs Liquidität kaum vorbei, besonders bei Pokémon. Bei einer Karte, die du für makellos hältst, kann der Versuch auf ein BGS Black Label den Umweg lohnen.
- Kartentyp. Ikonische Vintage- und moderne Chase-Karten laufen dort am besten, wo die Käufer sind – meist bei PSA. Für Nischensets, japanische Karten oder Stücke der eigenen Sammlung sprechen CGCs Strenge und Preise.
- Budget. Bei allen dreien richten sich die Gebühren nach deklariertem Kartenwert und Servicegeschwindigkeit. CGC ist häufig der günstigste Einstieg; prüfe vor jeder Einsendung die aktuellen Preislisten, sie ändern sich oft.
- Bearbeitungszeit. Die angegebenen Zeiten schwanken bei jedem Grader mit der Nachfrage. Wenn das Timing zählt – etwa vor einem geplanten Verkauf – zahle für eine schnellere Stufe oder plane Monate im Voraus.
Welcher Grader für welchen Typ?
Der Verkäufer gradet bei PSA. Maximale Liquidität, klarste Vergleichswerte, stärkster Aufschlag in der Topnote.
Der Perfektionist schickt seine Ausnahmekarten zu Beckett und zielt auf das Black Label – wohl wissend, dass eine 9.5 unter einer PSA 10 gehandelt wird.
Der Sammler, der zum Schutz und fürs Regal gradet, wählt CGC: strenge Benotung, attraktive Gebühren und ein Slab, dessen Akzeptanz mit der Zeit nur wachsen dürfte.
Der Pragmatiker mischt: PSA für Karten, die verkauft werden sollen, CGC für die Dauerbestände, BGS für die ganz großen Würfe.
Welches Label es auch wird – erst die Zertifikatsnummer des Slabs macht eine Karte ungesehen handelbar. Genau auf diesem Prinzip baut Graded Market auf: Jedes Angebot ist an einen konkreten zertifizierten Slab eines verifizierten Verkäufers gebunden, und die Zahlung bleibt bis zur Lieferung treuhänderisch hinterlegt. Wie sich die drei Labels tatsächlich gegeneinander bepreisen, siehst du am besten selbst: Stöbere durch die Angebote und vergleiche – der Markt hat seine eigene Meinung.

